Viele Vereinshäuser (am Beispiel Naturfreundehäuser), die in den 60er oder 70er Jahren erbaut wurden, waren in erster Linie der Zusammenkunft der Gleichgesinnten gedacht. Ähnlich wie Berghütten in den Alpen wurde Wert auf möglichst viele Schlafplätze und genügend Platz zum Zusammensitzen, gelegt. Treppenhäuser und Flure wurden gebaut, aber selten die Abtrennung der Stockwerke voneinander, berücksichtigt. Auch die Steilheit der Treppen wurde etwas übertrieben, weil der Platz nicht verschwendet werden sollte, bzw. die Häuser ja eher klein waren.
Über Fluchtwege wurde nicht nachgedacht. Oft gibt es aber Balkons, die am Ende von Fluren angelegt waren, weil diese als romantisch, praktisch oder einfach der Aussicht geschuldet angesehen wurden. Wie diese jetzt für einen Fluchtweg eingesetzt werden können, behandele ich im weiteren Text.
In den meisten Häusern befinden sich die Aufenthaltsräume im Erdgeschoss. Die Schlafräume im Obergeschoss. Auch der Balkon befindet sich dort. In den üblichen Brandschutzgutachten werden anleiterbare Ausgänge, wie Fenster oder Türen, durchaus als zweiten Fluchtweg ausgewiesen. Meist aber nur, wenn es keine andere Möglichkeit eines zweiten Rettungsweges gibt. Das Problem ist jetzt, dass die Häuser in die Natur gebaut wurden und die Feuerwehreinsatzflächen praktisch nicht vorhanden sind. Ich habe hier zwei Häuser im Kopf, bei denen ich eine Beratung machte und bei beiden war es nicht möglich von außen mit Maschinenleitern heranzukommen. Bei einem Brand können die eingeschlossenen Personen auf die Hilfe von außen mit Anlegeleitern warten oder sich selbst helfen.
Die Umsetzung wurde dann unterschiedlich angegangen. An der einen wurde eine Leiter am Balkongeländer angebracht, die dann über die Brüstung gehoben werden kann und die Höhe bis zur Geländeoberfläche überbrückt. Das muss geübt werden, kann im Notfall aber funktionieren. An der zweiten wurde eine Seilleiter installiert, die in einem Gehäuse untergebracht ist und einen Abstieg ermöglicht. Hier wird es etwas Überwindung kosten, diese zu benutzen, aber wenn es der einzige Ausweg ist, warum nicht. Von einem dritten Haus kenne ich das Aufstellen eines profanen Gerüstes, das gut befestigt am Haus errichtet wurde und die notwendigen Leitern innerhalb des Gerüstes oben auf der jeweiligen Plattform liegen oder direkt darunter fixiert sind. Damit wird der Abstieg im Gefahrfall möglich und niemand kann von unten aufsteigen und einbrechen.